„Die Kraft der Genesungsbegleitung ist klar!“ (Jörg Utschakowski)

„Wir brauchen das!“ – mit diesen Worten unterstrich Jörg Utschakowski in der Abschlussdiskussion von „Peer Power 2025“ die Bedeutung der Genesungsbegleitung. Der volle Saal im Pinellodrom und die angereisten Studierenden aus Nürnberg zeigten, wie groß das Interesse an Praxis, Wirkung und Implementierung ist. Der Leitspruch von exPEERienced „Gemeinsam neue Wege gehen.“ prägte den gesamten Vormittag zum 10-jährigen Jubiläum des Vereins.

Eröffnet wurde Peer Power von Marco Saal (Pinel) und Maria Glasauer (exPEERienced), eingebettet in die Woche der seelischen Gesundheit. Im Anschluss gaben Martin Schulz und Uwe Wegener einen kurzen Rück- und Ausblick auf die Entwicklung des Vereins.

Madeleine Küsel stellte danach die wichtigsten Ergebnisse der Studie ImpPeer-Psy5 vor. Die Untersuchung zeigt einen klaren bundesweiten Bedarf an Peer- und Genesungsbegleitung und belegt deren positive Wirkung auf Stabilisierung, Teilhabe und Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig braucht es klare Rollen, gute Einarbeitung, verlässliche Strukturen und eine angemessene Vergütung, um die Arbeit langfristig zu sichern.

Wie eine erfolgreiche Implementierung aussehen kann, verdeutlichten Anna Oster und Anke Frey am Beispiel des Theodor Wenzel Werks. Dort wurde eine eigenständige Berufsgruppe geschaffen, die auf allen Stationen tätig ist. Qualitative Studien zeigen insbesondere auf Akutstationen deutliche Effekte auf Recovery-Orientierung, Partizipation und Entstigmatisierung. Voraussetzung für nachhaltige Wirkung bleibt eine sorgfältige Einführung in Teams und Organisation.

Aus Sicht eines Trägers berichtete anschließend Martina Jantsch (COMES e.V.) von langjährig positiven Erfahrungen mit EX-IN-Genesungsbegleitenden. Peerwissen erweitere Perspektiven, erleichtere Vermittlung zwischen unterschiedlichen Sichtweisen und stärke die fachliche Arbeit, sofern Rollen gut geklärt und strukturelle Bedingungen passend sind.

Einen weiteren wichtigen Einblick gab Nicole Witte zum Schulprojekt „Wahnsinnig normal“. Das trialogische Konzept ermöglicht Jugendlichen einen offenen Zugang zu Themen seelischer Krisen: persönliche Geschichten, alltagsnahe Workshops und das Signal, dass niemand mit schwierigen Erfahrungen allein ist.

Nadine Basler und Johannes Krause stellten danach das Lotsennetzwerk vor, ein bundesweites niedrigschwelliges Angebot für Menschen mit Suchtproblemen. Lots:innen mit eigener Erfahrung begleiten Betroffene für eine begrenzte Zeit und helfen bei der Orientierung im Hilfesystem, immer mit Blick auf biografische Passung und Entlastung in einer besonders vulnerablen Phase.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine von Anja Jaeckel (Pinel) moderierte Podiumsdiskussion. Diskutiert wurden Einsatzbereiche, Qualitätsstandards und die Frage, wie Genesungsbegleitung nachhaltig in Versorgungssysteme eingebettet werden kann. Utschakowski betonte die Notwendigkeit einer konsequenten organisatorischen Vorbereitung in den kommenden Jahren. Anke Frey hob hervor, dass gerechte Bezahlung und volle Anerkennung des Berufs zentrale Zukunftsthemen bleiben.

Peer Power 2025 zeigte eindrücklich: Genesungsbegleitung wirkt und ihre Weiterentwicklung gelingt nur gemeinsam.

Text: Anett Löffler

 

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